03.04.2010 Von Christine Dressler
NACHGEFRAGT Wie Student Nazim Kenan, Abgeordneter Axel Wintermeyer und Archäologin Gabi Nick Ostern feiern
MAIN-TAUNUS. Zwei zusätzliche freie Tage, ein Frühlingsurlaub, ein netter Anlass zu basteln und zu dekorieren oder Stress mit der Familie: Mehr bedeutet Ostern für viele Menschen im Main-Taunus nicht. Anders ist das bei der promovierten Hochheimer Archäologin und Katholikin Gabriele Nick, dem evangelischen Hofheimer Rechtsanwalt und CDU-Landtagsabgeordneten Axel Wintermeyer oder neuerdings beim alevitischen Eppsteiner Stadtverordneten und Jurastudenten Nazim Kenan, bei denen wir nachfragten, wie sie die Feiertage begehen. Alle drei feiern Ostern so bewusst wie verschieden.
Migrationshintergrund
“Als kleines Kind habe ich Ostereier gesucht und später Ostern immer als Ruhephase empfunden, in der es heiter zuging”, sagt der gebürtige Bad Sodener Kenan. In Eppstein aufgewachsen studiert er seit dem Zivildienst an Frankfurts Goethe-Universität Rechtswissenschaften, ist seit 2006 Stadtverordneter. Parallel engagiert er sich unter anderem im Eppsteiner Juso-Vorstand und als Neumitgliederbeauftragter der SPD Main-Taunus.
“Aber dass Ostern in meinem Alltag eine wichtige Rolle spielt, konnte ich bisher nicht behaupten – ich kannte es nur von Freunden und Bekannten”, berichtet der 25-jährige Alevit, dessen Bekannte “zu 73 Prozent Migrationshintergrund haben. Im Glauben seiner türkischen Familie gibt es kein Ostern. Das ändert sich gerade. “Weil im April ein Familienmitglied getauft wird, beschäftige ich mich jetzt mit Ostern”, verrät Kenan, dass er das Fest diesmal bewusst begehen will.
Gottesdienste
Das tun Nick (44) und Wintermeyer (50) schon seit jeher. “Ich gehe am Karfreitag in die Kirche, weil er für protestantische Christen der höchste Feiertag ist”, erklärt der Landesvorsitzende des evangelischen Arbeitskreises der CDU Hessen, Kreisvorsitzende und Organist, der seit 1999 direkt gewählt im Landtag den Wahlkreis Main-Taunus West vertritt und sich zudem in Kreistag und Stadtverordnetenversammlung engagiert. Um den Tag der Auferstehung so “bewusst zu erleben” wie den der Kreuzigung besuche er am Ostersonntag einen Gottesdienst.
Während er den Karfreitag allein verbringe, “gehen zur Osternachtsmesse einige Freunde mit”, sagt Wintermeyer. Besonders spreche ihn die Osternachtsfeier in Bad Soden-Neuenhain an. Sie beginne um 5 Uhr vor der Kirche mit dem heidnischen Brauch des Osterfeuers. “An ihm wird die Osterkerze entzündet, in die Kirche getragen” und das Licht an die Kerzen der Besucher weitergegeben. “Dass man von der Nacht, der Dunkelheit des Todes in den Tag, die Auferstehung und das Leben feiert, finde ich sehr schön”, schätzt Wintermeyer die Aussagekraft. Denn die große Osterbotschaft sei, dass Jesus als Licht die Welt erhelle. Das unterstreiche das gemeinsame Osterfrühstück nach dem Gottesdienst.
An noch mehr “Kirchorten” feiern die stark in der Kolpingfamilie engagierten Nicks. Ihr 25. Kennenlerntag falle “ausgerechnet” auf Karfreitag, verrät Gabi Nick, die unter anderem ehrenamtlich das Lesen in Hochheim und mit ihrem Verlag “Antike zum Be-greifen” das Verständnis für alte Sprachen, Geschichte und Religion fördert. Nach der Fastenmeditation dienstagabends in der Antoniushauskapelle besuche die Familie den Gottesdienst am Gründonnerstag in St. Peter und Paul, die Julia (14) und Matthias (zehn) als Messdiener mitgestalten. Während die Kinder auch am Karfreitag vor Ort in die Kirche gehen, erleben ihre Eltern den Tag im Frankfurter Meditationszentrum.
“Das ist noch nichts für die Kinder”, betont Nick. “Am Ostersamstag färben wir Eier und fahren in der Osternacht nach Hofheim zu dem sehr schönen Gottesdienst der Franziskaner im Exerzitienhaus.” Der beginne um 6 Uhr. Nach dem “Osterbrunch mit Eiersuche im Garten” reist die Familie “am Ostermontag immer nach Emmaus”, sagt Nick, lacht und erklärt: “zu meinen Eltern in den Hunsrück”. Der Besuch einer Elternseite sei Tradition. Als die Kinder kleiner waren, habe die Familie noch intensiver mit “Osterbasteleien und Ostergeschichten” gefeiert.
Auf der Spur
“Ich bin auf dem Weg, Ostern auf die Spur zu kommen”, verrät Gabi Nick. Zurzeit bedeute Ostern für sie, “dass nicht alles mit dem Tod zu Ende ist und es” in scheinbar ausweglosen Situationen “immer noch Hoffnung gibt”.
Text: Main-Spitze




